Weiss

Sprechen wir über Royales, Reinheit, Format und Erfolg.

[Cortissimo] Inspiration

29.03.2016

Viel Platz - viel Weißraum, dies ist eine besondere Spezialität des Zeitungsmagazins. Weiß gilt in Europa als Farbe der Freude und der Unschuld. Große Werbefiguren mit dem Attribut weiß haben heute noch Kultstatus, wenn wir an die weiße Frau eines Waschmittelherstellers denken. In früheren Zeiten galt Weiß als royale Farbe, das Banner des französischen Königs war ganz weiß, Wäsche wurde auf dem Rasen gebleicht und Tennis nur in Weiß gespielt. Zumindest kann man jetzt Grand Slam Turniere in bunten Trikots gewinnen. Auch heute noch spielt in der Gestaltung die unbunte Farbe Weiß eine große Rolle, digital wie analog. Flat Design – also die Reduktion auf das Wesentliche – wäre ohne Weißraum nicht möglich.

Die Farbe Weiß verspricht Erfolg. Was wäre das Design von „Apple“ ohne Weiß? Wer Weißraum bewusst einsetzt, kann sich in einer wandelnden Ökonomie der Aufmerksamkeiten unterscheiden und damit bei den irrational entscheidenden Konsumenten punkten. Weißraum ist dabei keine Platzverschwendung, sondern ein wichtiges Gestaltungselement.

Es bietet dem Leser Überblick, betont wichtige Inhalte und unterstützt den Lesefluss. Es lenkt die Aufmerksamkeit auf das Wichtigste: den Inhalt. Das Produkt wird zum Helden. Wer es nicht glaubt, möge den Begriff iPhone „googeln“ und sich die Website ansehen, denn dort ist Weißraum King.

Die erste Farbentscheidung

Bei Printprodukten ist es übrigens immer die erste Farbentscheidung, die das Management gemeinsam mit dem Designteam trifft. Denn hier definiert das Papierweiß den Ton, den wir später für Weiß halten. Diese Entscheidung wird anschließend alle weiteren Farbwirkungen beeinflussen, denn das Papier definiert auch den Umfang des Farbraumes, der später im Druckverfahren realisiert werden kann. Der Weißraum definiert den Charakter einer Zeitung, eines Magazins oder eines Zeitungsmagazins. Das Format ist die Bühne, auf der Redaktion und Art Direktion ihre Inhalte inszenieren können und Regie führen. Das Zeitungsmagazin kann hier schon durch seine Größe seine erste Stärke ausspielen. Natürlich können klassische Magazinformate wie 210 x 280 mm oder DIN-Formate im Zeitungsdruck bespielt und dreiseitig beschnitten werden.

Geht das Magazin in den Versand, etwa an eine größere Anzahl von Abonnenten, gehören DIN-Formate zu den gängigsten Größen. Ist die Versandthematik kein kritisches Kriterium, kann aus dem vollen Formatportfolio geschöpft werden. Mit Weißraum muss nicht mehr gegeizt werden, ganz im Gegenteil, er steht in Hülle und Fülle zur Verfügung. Teilweise sogar schon technisch bedingt.

Den Weißraum steuert die Art Direktion mit dem Satzspiegel. Das Zeitungsmagazin braucht Luft zum Atmen. Kalkulieren Sie den Satzspiegel lieber großzügig und sorgen Sie mit einem flexiblen Spaltenraster für weitere Optionen, mehr Weiß zu integrieren. Denn der Satzspiegel definiert den Raum, der bedruckt wird.

Bei Zeitungsmagazinen für Kiosk und Abonnement sind die Anzeigenformate zu berücksichtigen. Neben dem typographischen Raster spielt die Gestaltung der Typographie eine große Rolle, ob ein Layout luftig wirkt. Bei den großen Formaten der Zeitungsmagazine kann diese sogar plakativ gesetzt werden und eine famose Wirkung erzielen.

Eine tragende Rolle spielt das Papier. Für den wasserlosen Zeitungsdruck der Cortina Druckmaschine stehen viele hochwertige, aber auch klassische Zeitungspapiere als Bedruckstoff zur Verfügung. Die Papierindustrie hat dazu den Weißgrad von Papieren definiert und zum Qualitätsmerkmal gemacht. Dabei reicht die Skala des Weißegrad nach CIE ISO 11475 von einem Recyclingpapier mit einem Weißgrad 55 bis zum Papier Hoher Weiße mit Grad 171, der im Zeitungsdruck nicht zur Verfügung steht. Je höher der Grad, desto weißer das Papier. Dabei reichen die Recycling- Papiere bis zum Weißgrad 140.

Für Luxuriöse Magazine

Diese Cortissimo ist auf einem leicht matt gestrichenen Papier 80 g/m2 91C gedruckt. Hat also einen Weißgrad von 91. Das Papier ist eigentlich für den Druck auf Heatset-Maschinen vorgesehen. Eine Besonderheit ist, dass dieses Papier im Coldset bedruckt werden kann. Dies macht der wasserlose Rollendruck möglich. Das Papier besteht zu 100 Prozent aus Altpapier/ Sekundärfasern. Der Hersteller UPM empfiehlt es für luxuriöse Magazine, Kataloge und Marketingmaterialien. Der Glanz des Papieres in Kombination mit optionalem Lack und seine glatte Oberfläche verbessern vor allem die detail- und kontrastreiche Bildwiedergabe. Weiß gehört wie Schwarz und Grau zu den unbunten Farben. Wir Menschen nehmen Weiß dann wahr, wenn das Licht so reflektiert wird, dass alle drei Zapfen der Netzhaut des Auges in gleicher Weise und ausreichend stark gereizt werden.

Dieser Umstand führt dazu, dass wir ein Papier dann als Weiß definieren, wenn dieser Zustand erreicht ist. Dies haben wir Menschen gelernt und setzen dieses Wissen permanent unbewusst ein. Ein Beispiel: Liegt ein Magazin mit ordentlich weißem Papier auf einem dunklen Untergrund vor uns, definieren wir die Helligkeit des Papieres dieses Magazins als Weiß. Erst wenn wir ein weißeres Papier daneben legen – also einen Vergleich durchführen können – fällt uns auf, dass es auch im Weiß Abstufungen gibt. Dieses Phänomen gibt es übrigens auch bei Schwarztönen. Unser Auge und Gehirn werden getäuscht.


Weitere Inspirationen

Der Druck auf der Zeitungsrolle bringt uns zudem den Vorteil, dass wir bis zum Vorabend des Andrucks aktuell an der Ausgabe arbeiten können.

Dr. Dieter Hilla, Bayer Aktiengesellschaft, Employee Communications/direkt/BNC